Einladungen

Gespräch

Kollaborative Praxis
02.02.26 – Luisa Ungar, Hannah Rösicke, Christine Heil, Lea Maria Manthei
„Ist ein Score ein Samen?“ Ein Gespräch zu performativen Erfahrungen

„Ist ein Score ein Samen?“ Ein Gespräch zu performativen Erfahrungen

Ausgangspunkt dieses Beitrags ist ein gemeinsamer Workshop im Kunstverein Braunschweig mit der Künstlerin Luisa Ungar, die mit „Experts of the unseen“ ein performatives Vermittlungsexperiment auf Basis ihrer Methode Rehearsed Spontaneity entwickelt hat.  Im Rahmen des Seminarformats „Wie arbeiten wir zusammen?“ gestalten wir Situationen und Rahmungen, um performative Erfahrungsmomente zu ermöglichen, in denen sich Rollen(erwartungen) und Zugänge verschieben. „Die Idee ist, mit unserer Vorstellungskraft und unseren Beobachtungsinstrumenten zu spielen.“ (Workshopkonzept Luisa Ungar).

In ortsbezogenen, performativen Erkundungen in Kleingruppen wurden experimentelle Führungen entwickelt, die durch „fiktionale Expertisen” ein Framing erhalten:

Die vier Expertisen sind:

– Die Biografie des Ortes: Was haben das Haus und die Räume bereits erlebt?

– Klang und Körper: Resonanz des architektonischen Raumes.

– Bedeutung des Lichts im Moment des Raumerlebens / Betrachtungs-Situationen.

– Tierverhalten und Lebensraum: Wie werden das Verhalten durch Raum und Institution beeinflusst? / Beziehungen von Menschen mit Tieren in der Ausstellung / Kontrolle / Zusammenleben.

Für Luisa Ungar besteht das Ziel des kollektiven Experiments darin, „performative Werkzeuge zu identifizieren, die unsere Vorstellungen von Kunstvermittlung erweitern, um diese dann mit unseren eigenen Schüler*innen praktizieren zu können.“ Momente der Aneignung und des Teilens werden hier als Bedingung zukünftiger Anwendung und handlungsfähiger Involvierung aufgezeigt. Um Erfahrungen und Sichtweisen aufeinander zu beziehen und zu reflektieren, in welcher Weise die performativen Erfahrungsmomente in die Seminarpraxis einfließen, initiieren wir Gespräche mit beteiligten Akteur*innen.

Der Text ist im Kontext eines Gesprächs entstanden, das die Dozentinnen Christine Heil und Lea Maria Manthei mit der Künstlerin Luisa Ungar und der Studentin Hannah Rösicke geführt haben. Anlass und gemeinsamer Fokus bilden die Fragen: Wie teilen wir performative Erfahrungen? Und auf welche Weise lassen sich diese dokumentieren? Die Einladung haben wir mit dem Impuls formuliert, etwas mitzubringen, das an die Erfahrungen des performativen Experiments anknüpft und diese materiell sowie diskursiv im Gespräch aufgreift.

Das Gespräch wird derzeit redaktionell aufbereitet und erscheint in Kürze.
Die folgende Sequenz lädt bereits jetzt zum Weiterdenken ein:

Studentin [01:03:42-9]: Wir haben irgendwie versucht den Kunstverein erfahrbar zu machen. Vielleicht war es die Übersetzung von dem üblichen Kunstvereinsbesuch in etwas anderes. (..) Also wir wollten im Prinzip die übliche Performance des Ausstellungsbesuchs dadurch aufbrechen.

Künstlerin [01:04:15-2]: It is interesting to think that we start with some instructions that invite us to behave in specific ways in the Kunstverein, like the “rules of a game” we are about to play. We first do something with them in the space, and only afterward do we try to convert those actions into scores. Sometimes we write the score first and then enact it. But when we first write the rules, we play the game and create something, after which we can write the score.

Studentin: Ja, das wäre auch interessant in dem Sinne, was mit diesen Scores danach weiter passiert. Weil es wahrscheinlich wieder eine andere Interpretation davon gibt. Oder einen anderen Kontext, in dem der Score benutzt wird.

Künstlerin: Total. Was passiert, wenn ich einen solchen Score aus dem Kunstverein nehme und ihn dann irgendwo anders mache? Was passiert dann? Das ist dann irgendwie eine Materialisierung von etwas Performativem.

Dozentin: Vor allem eine poetische, weil der Score dann nicht als Erklärung aufgeht. Irgendwie springt eine Idee mit über. Also (.) allein schon den Score zu lesen kann Spaß machen (.) Also ein guter Score lässt einen sofort an Situationen denken und das ist ein Anwenden auf etwas. (.) Und das setzt einen frei.

Künstlerin: A Seed. (.) Ist ein Score ein Samen? (.) Und was braucht der Same, um zu wachsen? (.) I still find amazing the amount of information that lies inside a seed. Look at this seed: it contains a tree, and (.) it is so beautiful. (..) And then the tree, as well, contains so many things. (…) How do we describe our work? Are we forcing the metaphor when we say that we can share the seeds of our work? Seeds are amazing, and they are practical. And they are mysterious: they need special conditions to grow. They need special game rules.

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